Tibetische Medizin kurz und kompakt

Viele der Begriffe in der tibetischen Medizin erscheinen uns auf den ersten Blick äusserst seltsam. Wir sind im Westen eher dem rationellen, individuellen und naturwissenschaftlichen Ansatz zugeneigt. Mit unserer teuren hochtechnisierten Hochleistungsmedizin haben wir eindrückliche Ergebnisse erzielt. Immer ausgeklügeltere Methoden und Medikamente werden hergestellt und entwickelt, die uns ein langes Leben ermöglichen. Diese Resultate sind selbstverständlich erfreulich. Sind wir aber dadurch gesünder? Fühlen wir uns besser? Sind wir glücklicher? Fehlt da nicht was?

Tief in unseren Herzen spüren wir, dass es doch mehr braucht als nur Pillen und perfekt durchgeführte medizinische Eingriffe um glücklich zu sein. Tief in unserem Inneren haben wir das Bedürfnis nach Ganzheit, nach Sinn, nach Spiritualität.

Dieser Suche nach Ganzheit trägt die tibetische Medizin mit ihrem Jahrhunderte alten Wissen und Methoden ausgezeichnet Rechnung.

Obwohl auf den ersten Blick die Begriffe befremdlich wirken, so ist der Zugang und die Erklärungsmodelle über die Elemente jedem auf seine Art intuitiv zugänglich. Bei den Begriffen Wasser oder Feuer zum Beispiel, kann man sich dessen innewohnende Eigenschaften durchaus vorstellen und kann diese auch in Bezug setzen zu aktuellen Problemen und deren Lösungen.

Die tibetische Medizin setzt v.a. auf Eigenverantwortung. Ein Heilprozess ist umso wirkungsvoller je mehr man versteht wie die Zusammenhänge sind. Der Amchi ist nicht jemand der Wunder vollbringt. Die Wunder der Heilung vollbringt der Betroffene selber. Der Amchi hilft ihm dabei sich dem Problem zu stellen und es zu überwinden.

Es ist überaus erfreulich, dass dieses alten Medizinsystem sich eine stetig steigenden Interesse im Westen erfreut. Die Ausbildungsmöglichkeiten waren noch vor wenigen Jahren in Europa nicht vorhanden. Wir hoffen, dass mit den positiven Ergebnissen unserer Arbeit als Amchis wir dazu beitragen, Glück in der Welt zu mehren und Leid zu mindern. 

Ausgehend von dem vorhin genannten, gehen wir mit einer neuen Existenz, die wiedergeboren wird, folgende Bedingungen einher:

  • Karma (Ursache – Wirkung)
  • Bardowesen (sehr subtiles Geisteskontinuum)
  • Elemente (Raum, Wind, Feuer, Erde, Wasser)
  • Vereinigung von Vater und Mutter

Ist das Wesen einmal geboren, so sind neben dem Prinzip der Ursache – Wirkung (Karma) die Elemente die tragenden Eigenschaften die sich das ganze Leben, sei es als Konstitution (genetische Prädisposition) oder als Krankheit und Gesundheit hindurchzieht.

Ob jemand krank oder gesund ist, ist von den Ursachen abhängig die man in der tibetischen Medizin in unmittelbare und entfernte einteilt. Bei den entfernten Ursachen ist die Kraft zu nennen, die uns überhaupt in das Rad der Wiedergeburt hineingezogen hat. Also die fundamentale Unwissenheit. Bei den unmittelbaren Ursachen sind es Verhalten, Ernährung, Jahreszeiten (Umwelt) und «böse Geister».

Das Tibetische Medizinsystem basiert auf den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Die Elemente manifestieren sich im Menschen in 3 dynamischen Prinzipien (nyes pa sum), die für alle körperlichen und geistigen Eigenschaften und Funktionen verantwortlich sind.

Die drei Nye pas (Körperenergien) heissen

  • rLung (Wind)
  • Tripa (Feuer)
  • Bad kan (Wasser/Erde)

und haben ihren Ursprung in den vorher erwähnten drei Geistesgiften. Die Zuordnung der Nyepas ist wie folgt:

  • rLung in der Begierde/Anhaftung (der Hahn)
  • Tripa im Hass/Zorn/Wut (die Schlange)
  • Bad kan in der Unwissenheit, Ego und Ignoranz. (Das Schwein)

Es verhält sich nun so, dass diese Nyepas als ein Prinzip zu sehen sind, die sich auf allen Ebenen (körperlich, mental, energetisch) auswirken. Die den Nyepas innewohnende Energie oder Eigenschaft der Elemente bewirkt die Wirkkraft.

So ist rLung (Wind)  für die Bewegung des Körpers zuständig und steht in Zusammenhang mit dem Nervensystem, den Sinneswahrnehmungen und dem Immunsystem, gilt als Verbindung von Körper und Geist und ist Träger des Bewusstseins. Kreativität und Ideenreichtum sind psychische Fähigkeiten die hier vorherschen.

Tripa (Galle) verantwortlich für die Hitze im Körper (Körpertemperatur, Verdauung)  die Reifung den Teint und das Blutsystem. Auf dem psychischen Feld ist es die Tatkraft, Mut, Wille etc.

Bad kan (Schleim) schliesslich ist die kalte Energie vorherrschend und für den Flüssigkeitshaushalt und das Lymphsystem, sowie auf psychischer Ebene für Stabiliät und Festigkeit zuständig.

Die Mischung der drei Energien machen somit neben dem Körpertypus auch den Charakter aus.

In der ganzheitlich ausgerichteten Medizinlehre Tibets wird das Gleichgewicht dieser drei Körperenergien angestrebt. Ein Gleichgewicht bedeutet Gesundheit, ein Ungleichgewicht führt hingegen zu der Entstehung von Krankheiten und psychischen Leiden.

Die 3 dynamischen Prinzipien sind in jedem Lebewesen in einem eigenen, spezifischen Verhältnis verteilt (siehe Typologie), das jeweils seine Veranlagungen und Neigungen bestimmt. So ist jeder Mensch unterschiedlich anfällig auf verschiedene Störungen, Beschwerden und Krankheiten. Ein länger anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den 3 Prinzipien, das heisst eine Abweichung vom eigenen individuellen Typ, kann folglich zu körperlichen oder psychischen Störungen führen.

Der Grundsatz der Tibetischen Medizin besteht im Erkennen der individuellen Mischung der drei körperlichen Energien und im Erkennen des jeweiligen Ungleichgewichts einer oder mehrerer Körperenergien beziehungsweise der hiermit einhergehenden Organe.

Um das Gleichgewicht wiederherzustellen bedient sich der Amchi der Methode der Verhaltensänderungen (Psychologie), der Ernährungberatung, Pharmazeutischen Therapie und äusseren Anwendungen.