Tibetische Medizin Alt

Tibetische Medizin

Die Tibetische Medizin ist ein sehr altes Medizinsystem. Die Ursprünge reichen zum historischen Buddha der vor ca 2500 lebte, welcher den Überlieferungen zufolge dieses Medizinsystem in die Welt setzte.

Ein kostbares Medizinwerk, das Gyüshi, dessen erste schriftliche Zeugnisse mindestens ins 8 Jhd n. Chr. reichen, dient als Grundlagen und Nachschlagewerk der tibetischen Medizin.

Untrennbar mit dem Buddhismus und dessen Weltanschauung verbunden, ist dieses wundervolle Werk seit Generationen der Leitfaden zur Ausbildung von zukünftigen Ärzten der Tibetischen Medizin. Den Amchi`s.

Verbindung mit dem Buddhismus und der buddhistischen Weltanschauung

Die Lehren des Buddha kann man grob in vier Leitsätzen, den sogenannten vier edlen Wahrheiten, zusammenfassen:

  1. Die Wahrheit über die leidvolle Existenz (Vergänglichkeit)
  2. Die Wahrheit über die Ursache des Leidens (Unwissenheit)
  3. Die Wahrheit über die Beendigung des Leides (es gibt eine Lösung)
  4. Die Wahrheit über den Weg, der zur Beendigung des Leides führt (Empfehlungen zum Handeln, Reden und Denken, der achtfache tugendhafte Pfad)

Im Buddhismus wird jegliche Existenz (mit wenigen Ausnahmen) als unkontrollierte Wiedergeburt im Rad des Lebens angesehen (Samsara).

Der Grund das wir immer wieder die leidvollen Zyklen von Geburt, Alter, Krankheit, Vergänglichkeit und schliesslich Tod durchleben müssen, liegt in einer Art fundamentaler Unwissenheit darüber, wie die Dinge sind. Dabei ist nicht Wissen gemeint, dass man sich im Verlauf des Lebens anhäuft, sondern mehr die Einsicht und die daraus folgende Weisheit in die Ungetrenntheit allen Seins, der Nondualität.

Unser Unvermögen uns als Teil des Ganzen zu sehen, erschafft schlussendlich das Gefühl eines Getrenntseins. Es entstehen «du» und «ich», «wir» und «sie», «gut» und «schlecht» und unendlich viele andere dualistische Einstellungen. Diese Trennung schliesslich erzeugt in uns leidvolle Erfahrungen.

In der Bildmitte sind drei Tiere abgebildet: Hahn, Schlange und Schwein. Diese drei Tiere stehen als Symbol der drei Geistesgifte, die aus fundamentaler Unwissenheit hervorgehen. Emotionen und Gefühle, die hinter diesen Tierbildern stehen symbolisieren

  • beim Hahn: Anhaftung/Begierde
  • bei der Schlange: Zorn/Wut/Hass
  • beim Schwein: Egozentriertheit/Verblendung/ Ignoranz

Alle diese Geistesformationen erzeugen nach dem Ursache – Wirkungs – Prinzip wiederum Karma (was du säst wirst du ernten). Dieses Karma bindet uns immer und immer wieder an den Kreislauf der unkontrollierten Wiedergeburten (Samsara).

Diese drei Geistesgifte begegnen uns in der tibetischen Medizin in Form der Nye Pas (wörtlich übersetzt; drei Fehler) immer wieder. Sie bilden die Grundlage für Gesund- und Kranksein.

Auf dem Hintergrund der unkontrollierten Wiedergeburt in die leiderfahrende Existenz eines Lebewesens (da anhaftend, unwissend, vergänglich und leidvoll) ist es nun aber möglich, durch Einsicht Weisheit zu erlangen und diesen unheilvollen karmischen Kreislauf zu durchbrechen. Der Amchi (tibetischer Arzte) hilft dabei diesen Weg zu gehen.

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Grundsätze der tibetischen Medizin

Ausgehend von dem oben genannten, gehen wir mit einer neuen Existenz, die wiedergeboren wird, folgende Bedingungen einher:

  • Karma (Ursache – Wirkung)
  • Bardowesen (sehr subtiles Geisteskontinuum)
  • Elemente (Raum, Wind, Feuer, Erde, Wasser)
  • Vereinigung von Vater und Mutter

Ist das Wesen einmal geboren, so sind neben dem Prinzip der Ursache – Wirkung (Karma) die Elemente die tragenden Eigenschaften die sich das ganze Leben, sei es als Konstitution (genetische Prädisposition) oder als Krankheit und Gesundheit hindurchzieht.

Ob jemand krank oder gesund ist, ist von den Ursachen abhängig die man in der tibetischen Medizin in unmittelbare und entfernte einteilt. Bei den entfernten Ursachen ist die Kraft zu nennen, die uns überhaupt in das Rad der Wiedergeburt hineingezogen hat. Also die fundamentale Unwissenheit. Bei den unmittelbaren Ursachen sind es Verhalten, Ernährung, Jahreszeiten (Umwelt) und «böse Geister».

 

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Das Tibetische Medizinsystem basiert auf den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum.

Die Elemente manifestieren sich im Menschen in 3 dynamischen Prinzipien (nyes pa sum), die für alle körperlichen und geistigen Eigenschaften und Funktionen verantwortlich sind.

Die drei Nye pas (Körperenergien) heissen

  • rLung (Wind)
  • Tripa (Feuer)
  • Bad kan (Wasser/Erde)

und haben ihren Ursprung in den vorher erwähnten drei Geistesgiften. Die Zuordnung der Nye Pas ist wie folgt:

rLung in der Begierde/Anhaftung (der Hahn)

Tripa im Hass/Zorn/Wut (die Schlange)

Bad kan in der Unwissenheit, Ego und Ignoranz (das Schwein)

Es verhält sich nun so, dass diese Nye Pas als ein Prinzip zu sehen sind, die sich auf allen Ebenen (körperlich, mental, energetisch) auswirken. Die den Nye Pas innewohnende Energie, oder Eigenschaft der Elemente, bewirkt die Wirkkraft.

 

 

rLung

So ist rLung (Wind) für die Bewegung des Körpers zuständig und steht in Zusammenhang mit dem Nervensystem, den Sinneswahrnehmungen und dem Immunsystem, gilt als Verbindung von Körper und Geist und ist Träger des Bewusstseins. Kreativität und Ideenreichtum sind psychische Fähigkeiten die hier vorherrschen.

Tripa

Tripa (Galle), verantwortlich für die Hitze im Körper (Körpertemperatur, Verdauung), die Reifung, den Teint und das Blutsystem. Auf dem psychischen Feld ist es die Tatkraft, Mut, Wille etc.

Bad kan

Bad kan (Schleim) schliesslich ist die kalte Energie vorherrschend und für den Flüssigkeitshaushalt und das Lymphsystem, sowie auf psychischer Ebene für Stabiliät und Festigkeit zuständig.

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Gleichgewicht finden

Die Mischung der drei Energien machen somit neben dem Körpertypus auch den Charakter aus.

In der ganzheitlich ausgerichteten Medizinlehre Tibets wird das Gleichgewicht dieser drei Körperenergien angestrebt. Ein Gleichgewicht bedeutet Gesundheit, ein Ungleichgewicht führt hingegen zu der Entstehung von Krankheiten und psychischen Leiden.

Die 3 dynamischen Prinzipien sind in jedem Lebewesen in einem eigenen, spezifischen Verhältnis verteilt, das jeweils seine Veranlagungen und Neigungen bestimmt. So ist jeder Mensch unterschiedlich anfällig auf verschiedene Störungen, Beschwerden und Krankheiten. Ein länger anhaltendes Ungleichgewicht zwischen den 3 Prinzipien, das heisst eine Abweichung vom eigenen individuellen Typ, kann folglich zu körperlichen oder psychischen Störungen führen.

Der Grundsatz der Tibetischen Medizin besteht im Erkennen der individuellen Mischung der drei körperlichen Energien und im Erkennen des jeweiligen Ungleichgewichts einer oder mehrerer Körperenergien beziehungsweise der hiermit einhergehenden Organe.

Um das Gleichgewicht wiederherzustellen bedient sich der Amchi der Methode der Verhaltensänderungen (Psychologie), der Ernährungsberatung, Pharmazeutischen Therapie und äusseren Anwendungen.

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Tibetische Medizin für den Westen

Viele der Begriffe in der tibetischen Medizin, erscheinen uns auf den ersten Blick äusserst seltsam. Wir sind im Westen eher dem rationellen, individuellen und naturwissenschaftlichen Ansatz zugeneigt. Mit unserer teuren hochtechnisierten Hochleistungsmedizin haben wir eindrückliche Ergebnisse erzielt. Immer ausgeklügeltere Methoden und Medikamente werden hergestellt und entwickelt, die uns ein langes Leben ermöglichen. Diese Resultate sind selbstverständlich erfreulich. Sind wir aber dadurch gesünder? Fühlen wir uns besser? Sind wir glücklicher? Fehlt da nicht was?

Tief in unseren Herzen spüren wir, dass es doch mehr braucht als nur Pillen und perfekt durchgeführte medizinische Eingriffe um glücklich zu sein. Tief in unserem Inneren haben wir das Bedürfnis nach Ganzheit, nach Sinn, nach Spiritualität.

Dieser Suche nach Ganzheit trägt die tibetische Medizin mit ihrem Jahrhunderte alten Wissen und Methoden ausgezeichnet Rechnung.

Obwohl auf den ersten Blick die Begriffe befremdlich wirken, so ist der Zugang und die Erklärungsmodelle über die Elemente jedem auf seine Art intuitiv zugänglich. Bei den Begriffen Wasser oder Feuer zum Beispiel, kann man sich dessen innewohnende Eigenschaften durchaus vorstellen und kann diese auch in Bezug setzen zu aktuellen Problemen und deren Lösungen.

Die tibetische Medizin setzt v.a. auf Eigenverantwortung. Ein Heilprozess ist umso wirkungsvoller je mehr man versteht wie die Zusammenhänge sind. Der Amchi ist nicht jemand der Wunder vollbringt. Die Wunder der Heilung vollbringt der Betroffene selber. Der Amchi hilft ihm dabei sich dem Problem zu stellen und es zu überwinden.

Es ist überaus erfreulich, dass dieses alten Medizinsystem sich eine stetig steigenden Interesse im Westen erfreut. Die Ausbildungsmöglichkeiten waren noch vor wenigen Jahren in Europa nicht vorhanden. Wir hoffen, dass mit den positiven Ergebnissen unserer Arbeit als Amchis wir dazu beitragen, Glück in der Welt zu mehren und Leid zu mindern.

 

Zitat: die vier unermesslichen Gedanken

Mögen alle Lebewesen Glück und die Ursache von Glück haben.

Mögen sie von Leiden und den Ursachen von Leiden frei sein.

Mögen sie nicht von wahrem Glück, welches ohne jegliches Leid ist, getrennt sein.

Mögen sie in grossem Gleichmut verweilen, frei von Anhaftung an Ihnen Nahes und Ablehnung von Ihnen Fernem.